Jeder Mensch hat das Recht auf eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität.

So­li­da­ri­tät mit LGBTIQ in Un­garn

trans* und in­ter­ge­schlecht­li­chen Per­so­nen hel­fen – Druck auf Un­garn er­hö­hen

Tes­sa Gan­se­rer und Flo­ri­an Siek­mann wen­den sich an baye­ri­sche Wirt­schaft – Hal­tung der Söder-Re­gie­rung „be­schä­mend“

Baye­ri­sche Un­ter­neh­men, die in Un­garn an­säs­sig sind und teils über fir­men­in­ter­ne Netz­wer­ke von LGBTIQ*-Mitarbeitenden ver­fü­gen und die­se un­ter­stüt­zen, ha­ben aber auch nach au­ßen ei­ne Ver­ant­wor­tung. Und sie ha­ben Ein­fluss. Es gilt die­se auch wahr­zu­neh­men im Sin­ne ih­rer Mit­ar­bei­ten­den. Wir ha­ben da­her die Ge­schäfts­lei­tun­gen und Vor­stands­vor­sit­zen­den auf­ge­for­dert, der un­ga­ri­schen Re­gie­rung ih­ren deut­li­chen Un­mut über die­ses men­schen­ver­ach­ten­de Ge­setz zu äu­ßern. Selbst­be­stim­mung ist ein Men­schen­recht. In der EU kann nicht kom­men­tar­los hin­ge­nom­men wer­den, wenn die­se Rech­te ge­gen­über Min­der­hei­ten mit Fü­ßen ge­tre­ten wer­den.

In Po­len ist die Si­tua­ti­on nicht bes­ser. In den bei­den Wo­chen vor der Wahl wur­den wur­den schärfs­te LGBTIQ*-feindliche Ge­schüt­ze auf­ge­fah­ren. Kon­se­quen­zen für Po­len sind sei­tens der EU noch nicht in Sicht. Wir vier, die quee­re Par­la­men­ta­ri­er­grup­pe des Baye­ri­schen Land­tags, ha­ben da­her auch den pol­ni­schen Ge­ne­ral­kon­sul in Mün­chen per Brief un­miss­ver­ständ­lich mit­ge­teilt, dass wir die­se Art der of­fe­nen Queer­feind­lich­keit in Po­len nicht kom­men­tar­los las­sen kön­nen und ein per­sön­li­ches Ge­spräch an­ge­bo­ten.

Un­se­re Pres­se­mit­tei­lung vom 5. Ju­ni 2020:

Mün­chen (5.6.20/lmo). Die Land­tags-Grü­nen er­su­chen die baye­ri­schen Un­ter­neh­men, die in­ten­si­ve Han­dels­be­zie­hun­gen mit Un­garn oder in Un­garn ei­nen Stand­ort un­ter­hal­ten, So­li­da­ri­tät mit LGBTIQ zu zei­gen. „Un­ter dem Deck­man­tel der Co­ro­na-Kri­sen­be­wäl­ti­gung hat Un­garns Prä­si­dent Vik­tor Or­ban mit ei­nem neu­en Ge­setz* qua­si die recht­li­che Exis­tenz von trans* und in­ter­ge­schlecht­li­chen Men­schen aus­ge­löscht“, er­klärt die queer­po­li­ti­sche Spre­che­rin Tes­sa Gan­se­rer. „Da­mit müs­sen sich trans* und in­ter­ge­schlecht­li­che Per­so­nen al­so per­ma­nent zwangs­ou­ten. Das ist ein mas­si­ver Ein­griff in die Selbst­be­stim­mung und darf von uns nicht sang- und klang­los hin­ge­nom­men wer­den.“

Die­se Ent­wick­lun­gen er­for­dern ein ra­sches und ent­schlos­se­nes Ein­schrei­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on, „dar­über hin­aus kön­nen und müs­sen wir aber als Frei­staat Bay­ern – als Un­garns wich­tigs­ter Han­dels­part­ner – den Kampf für ei­ne ge­schlecht­li­che Viel­falt auf­neh­men“, for­dert der eu­ro­pa­po­li­ti­sche Spre­cher Flo­ri­an Siek­mann. „Wir al­le tra­gen Ver­ant­wor­tung und die baye­ri­schen Un­ter­neh­men ha­ben als Ar­beit­ge­be­rin und Wirt­schafts­fak­tor in Un­garn die Mög­lich­keit, ih­ren Un­mut über solch dis­kri­mi­nie­ren­de Ge­set­ze zu äu­ßern.“

Ei­ne grü­ne An­fra­ge be­tref­fend Bay­erns wirt­schaft­li­che Ver­flech­tun­gen mit Un­garn und Po­len zeigt, dass die „Söder-Re­gie­rung kräf­tig Wirt­schafts­för­de­rung be­treibt, aber bei der Fra­ge nach De­mo­kra­tie und Rechts­staat die Ver­ant­wor­tung auf den Bund und die EU schiebt. Die Baye­ri­schen Aus­lands­re­prä­sen­tan­zen schwei­gen zu die­sem The­ma“, so Flo­ri­an Siek­mann. „Das ist be­schä­mend.“

Die Land­tags-Grü­nen wol­len ge­mein­sam mit der baye­ri­schen Wirt­schaft den Druck auf Un­garn er­hö­hen und er­su­chen die baye­ri­schen Un­ter­neh­men, an die un­ga­ri­sche Re­gie­rung zu schrei­ben. Tes­sa Gan­se­rer: „Für So­li­da­ri­tät mit LGBTIQ, De­mo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit und ge­gen Zwangs­ou­ting und Dis­kri­mi­nie­rung.“

Ein grü­ner Brief ging un­ter an­de­rem an adi­das AG, AU­DI AG, Bay­Wa AG, Knaus Tab­bert GmbH, MAN Truck & Bus SE

*Dem­nach wird beim Stan­des­amt künf­tig nur noch das “Ge­schlecht zur Ge­burt” – de­fi­niert als “das bio­lo­gi­sche Ge­schlecht”, wel­ches sich “durch pri­mä­re ge­schlecht­li­che Merk­ma­le und Chro­mo­so­men be­stimmt” – er­fasst. Der Vor­na­me und die Ge­schlechts­an­ga­be sind da­mit nicht mehr än­der­bar. Wer bei sei­ner Ge­burt als männ­lich oder weib­lich de­fi­niert wur­de, hat künf­tig kei­ne Mög­lich­keit mehr, das spä­ter zu kor­ri­gie­ren. Trans* Per­so­nen müs­sen sich auf Grund­la­ge des neu­en Ge­set­zes al­so per­ma­nent zwangs­ou­ten, was ei­ne Zu­nah­me von Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt er­war­ten lässt. Dies stellt ei­nen mas­si­ven Ein­griff in die Selbst­be­stim­mung dar.

Ant­wor­ten auf die schrift­li­che An­fra­ge des Ab­ge­ord­ne­ten Flo­ri­an Siek­mann (BÜND­NIS 90/DIE GRÜ­NEN) vom 27.04.2020 be­tref­fend Bay­erns wirt­schaft­li­che Ver­flech­tun­gen mit Un­garn und Po­len

Ge­mein­sa­mer Brief der Ab­ge­ord­ne­ten Tes­sa Gan­se­rer und Flo­ri­an Siek­mann an die Vor­stands­vor­sit­zen­den und Geschäftsführer*innen baye­ri­scher Un­ter­neh­men mit en­gen Han­dels­be­zie­hun­gen zu Un­garn

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