Für ein bun­tes Bay­ern

SPD, Grü­ne und FDP for­dern Expert*innenanhörung zu queer­po­li­ti­schen Fra­gen

Ab­ge­ord­ne­te wol­len in Er­fah­rung brin­gen, wie sich ju­ris­ti­sche Gleich­stel­lun­gen der letz­ten Zeit aus­wir­ken und in­wie­fern die Staats­re­gie­rung sich um ge­sell­schaft­li­che Gleich­stel­lung be­müht

Mün­chen (26.6.19/lmo). Die Land­tags­frak­tio­nen von SPD, Grü­nen und FDP ha­ben am Don­ners­tag, 27. Ju­ni 2019 ei­ne An­hö­rung im So­zi­al­aus­schuss zu queer­po­li­ti­schen Fra­gen ge­stellt. Der An­trag hät­te durch das Min­der­hei­ten­vo­tum ei­ne Zu­stim­mung er­hal­ten. Er­freu­lich war je­doch, dass auch CSU und Freie Wäh­ler dem An­trag zu­ge­stimmt ha­ben und die Re­gie­rungs­par­tei­en da­mit ver­deut­li­chen, dass auch sie Hand­lungs­be­darf se­hen.

Hin­ter­grund: Seit 2017 kön­nen gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re in Deutsch­land hei­ra­ten, seit ei­nem hal­ben Jahr gibt es die so­ge­nann­te „drit­te Op­ti­on“ im Per­so­nen­stands­ge­setz, die in­ter­se­xu­el­le Men­schen nicht mehr da­zu zwingt, sich für das männ­li­che oder weib­li­che Ge­schlecht ent­schei­den zu müs­sen.
Die Frak­tio­nen wol­len in Er­fah­rung brin­gen, wie die in wei­ten Be­rei­chen ju­ris­ti­sche Gleich­stel­lung von LGBTIQ*-Personen sich in Bay­ern aus­wirkt und was die Staats­re­gie­rung im Ein­zel­nen tut, um nach den ju­ris­ti­schen Gleich­stel­lun­gen auch ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz zu er­rei­chen.

Tes­sa Gan­se­rer, queer­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen im Land­tag, stellt klar: “Bay­ern ist bunt! Doch quee­re Men­schen kom­men in dem schwarz-oran­gen Re­gie­rungs­pro­gramm nicht vor. CSU und Freie Wäh­lern ver­fah­ren nach dem Mot­to ‘Wir ha­ben ja nichts ge­gen Schwu­le, aber bei uns gibt es kei­ne’. Für Bi­se­xu­el­le, Les­ben, Schwu­le, trans* und in­ter* Per­so­nen ist Bay­ern auch nicht das Pa­ra­dies un­term Re­gen­bo­gen. Dis­kri­mi­nie­rung ist für quee­re Men­schen in Bay­ern noch im­mer trau­ri­ger All­tag.”

Do­ris Rau­scher, queer­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD, er­läu­tert: “In länd­li­chen Re­gio­nen feh­len Be­ra­tungs­an­ge­bo­te, bei den Po­li­zei­be­hör­den gibt es kei­ne An­sprech­per­so­nen für Op­fer an­ti-quee­rer Ge­walt und in den baye­ri­schen Schu­len fehlt viel­fach ein re­flek­tier­ter Um­gang mit Di­ver­si­tät. Das führt ins­be­son­de­re für quee­re Ju­gend­li­che in der Pha­se des Co­m­ing-Out zu ei­ner ho­hen psy­chi­schen Be­las­tung.“

Se­bas­ti­an Kör­ber, LSBTI-Spre­cher der FDP-Frak­ti­on hält fest: „So­lan­ge ‚schwul‘ noch ein Schimpf­wort ist, ist es auch um die ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz von Trans­gen­dern so­wie Ho­mo- Bi‑, Trans- und In­ter­se­xu­el­len in Bay­ern noch nicht all­zu gut be­stellt. Un­ser Ziel muss es sein, ei­nen Ak­ti­ons­plan ins Le­ben zu ru­fen. Ei­ne Ex­per­ten­an­hö­rung, die ein ‚quee­res‘ The­ma auf die po­li­ti­sche Agen­da setzt, ist ein rich­ti­ger und wich­ti­ger nächs­ter Schritt.“

Bei so­ge­nann­ten Ex­per­ten­an­hö­run­gen wer­den von al­len Frak­tio­nen be­nann­te Fach­leu­te in den be­an­tra­gen­den Aus­schuss ge­la­den und um ih­re Ein­schät­zung be­züg­lich Fra­gen zu ei­nem be­stimm­ten The­ma ge­be­ten. Gan­se­rer, Rau­scher und Kör­ber wol­len un­ter an­de­rem wis­sen, wie im Bil­dungs­be­reich, in der Ar­beits­welt und im Be­reich der Si­cher­heit Gleich­stel­lung und Ak­zep­tanz ge­för­dert wer­den. Al­le Bun­des­län­der ha­ben da­zu in der Ver­gan­gen­heit Ak­ti­ons­plä­ne ge­schaf­fen oder in Ar­beit – bis auf ei­nes: Bay­ern.

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