Akzeptanz von LGBTIQ*-Personen

Ak­zep­tanz von LG­BTIQ-Per­so­nen

An­hö­rung im So­zi­al­aus­schuss am 14. No­vem­ber 2019

Auf An­trag der Land­tags­frak­tio­nen von Grü­nen, SPD und FDP wur­den drei Stun­den lang Sach­ver­stän­di­ge zur “Ak­zep­tanz von LGBTIQ*-Personen in Bay­ern” an­ge­hört. Zwölf Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten be­rich­te­ten zum The­ma, dar­un­ter quee­re Aktivist*innen, LG­BTI-An­sprechs­per­so­nen der Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft so­wie Wissenschaftler*innen.

Die drei Frak­tio­nen woll­ten so her­aus­fin­den, wie sich die in wei­ten Be­rei­chen ju­ris­ti­sche Gleich­stel­lung von se­xu­el­len und ge­schlecht­li­chen Min­der­hei­ten in Bay­ern aus­wirkt und was die Staats­re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder (CSU) im Ein­zel­nen tut, um nach den ju­ris­ti­schen Gleich­stel­lun­gen auch ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz zu er­rei­chen.

Zwar wur­de recht­lich für die Gleich­stel­lung von Schwu­len und Les­ben in den letz­ten Jah­ren viel er­reicht, doch auch heu­te noch er­lei­den quee­re Men­schen in Bay­ern häu­fig Dis­kri­mi­nie­rung – be­son­ders be­trof­fen sind trans* und in­ter* Per­so­nen”, er­klär­te Tes­sa Gan­se­rer.

Und so ist das Fa­zit der ge­la­de­nen Expert*innen ein­deu­tig ge­we­sen: Das Land hinkt deutsch­land­weit bei der För­de­rung queer­po­li­ti­scher Rech­te hin­ter­her.

Aus­ge­wähl­te Zi­ta­te

Eva Apfl, Vor­stand di­ver­si­ty Mün­chen:

Es fehlt de­fi­ni­tiv an flä­chen­de­cken­der qua­li­fi­zier­ter Be­ra­tung. Ich kom­me aus Deg­gen­dorf. Wenn ich nach Pas­sau zu pro fa­mi­lia fah­ren muss, brau­che ich schon ei­ne Drei­vier­tel­stun­de.“ – „Ich fra­ge mich, wo man die­se 180 Er­zie­hungs­be­ra­tungs­stel­len fin­det. Im In­ter­net fin­det man sie schlecht. Die on­line-An­ge­bo­te sind ei­ne Ka­ta­stro­phe.“

Mi­cha­el Bas­ti­an, Kom­pe­tenz­netz Trans:

Es gibt in Bay­ern kaum je­man­den, der Ju­gend­li­che un­ter 16 Jah­ren nach dem Trans­se­xu­el­len­ge­setz be­gut­ach­tet. […] Die War­te­zei­ten be­tra­gen nicht vier bis sechs Mo­na­te, son­dern mo­men­tan zwölf bis 16 Mo­na­te.”

Ju­lia Boms­dorf, Le­TRa:

Vie­len LGBTIQ*-geflüchteten wird in Bay­ern ihr Grund­recht auf Asyl ver­wehrt, ob­wohl die Ver­fol­gung auf­grund se­xu­el­ler Ori­en­tie­rung oder der Ge­schlechts­iden­ti­tät ein Asyl­grund ist. […] auch die ge­rich­te schüt­zen nicht vor den Fehl­ent­schei­dun­gen des BAMF, son­dern ent­schei­den auf Grund­la­ge ähn­li­cher Wis­sens­de­fi­zi­te […]“

Stef­fi Grimm, Wirt­schafts­wei­ber:

Auf dem Weg zur Ak­zep­tanz ist Sicht­bar­keit not­wen­dig. Des­we­gen muss es end­lich auch für Bay­ern ei­nen Ak­ti­ons­plan ge­ben Das ist ab­so­lut über­fäl­lig.“

Dr. Kai Kund­rath, sub e.V.:

Es ist wirk­lich an der Zeit, dass auch das Land Bay­ern Ver­ant­wor­tung über­nimmt […] und auch auf dem Land ei­ne In­fra­struk­tur schafft.“
Han­nah Lea, LS­VD Bay­ern: „Man kann nicht al­les dem Eh­ren­amt über­las­sen. Von staat­li­cher Sei­te muss wirk­lich da­für ge­sorgt wer­den, dass wir un­se­ren Job gut ma­chen kön­nen.“

Prof. Dr. Ste­fan Tim­mermanns, Uni­ver­si­ty of Ap­p­lied Sci­en­ces Frank­furt:

Wir wis­sen aus re­prä­sen­ta­ti­ven Un­ter­su­chun­gen der An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des, dass die Ak­zep­tanz – viel­leicht kann man es auch To­le­ranz nen­nen – ge­gen­über LSBTIQ*-personen in Deutsch­land eher ei­ne ober­fläch­li­che Ak­zep­tanz oder To­le­ranz ist.“ – „Wir ha­ben 2017 noch ge­nau­so viel Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­rung, wie 2007. Ich den­ke das macht deut­lich, wie wich­tig die­ses The­ma ge­ra­de auch am Ar­beits­platz ist.“

Mar­kus Os­wald, Staats­an­walt Ber­lin:

Seit­dem wir die­se Funk­tio­nen (An­sprech­per­so­nen bei der Staats­an­walt­schaft) ein­ge­rich­tet ha­ben, ver­zeich­nen wir von Jahr zu Jahr ei­ne si­gni­fi­kan­te Stei­ge­rung der Zahl der Ver­fah­ren. Wir be­kom­men auch re­gel­mä­ßig Feed­back von Be­trof­fe­nen, die sa­gen: Wenn es euch nicht gä­be, hät­te ich die An­zei­ge nicht er­stat­tet.“

Prof. Dr. Mei­ke Watz­la­wik, Sig­mund Freud Pri­vat­uni­ver­si­tät Ber­lin:

Es gibt im­mer noch sehr vie­le Leu­te, die zwar die Be­grif­fe trans* und in­ter* schon mal ge­hört ha­ben, aber fak­tisch nicht wis­sen, was das tat­säch­lich be­deu­tet.“

Pe­tra Weit­zel, dgti:

Wir wis­sen, dass zwi­schen 17 und 21% al­ler Trans*Personen ar­beits­los sind […] un­ge­fähr vier­mal so viel, wie der Bun­des­durch­schnitt.“

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